Zum Projekt

Die Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) hat seit Okt. 2019 über 12 t der tödlichen Geisternetze vor unserer „Haustür“ in der Ostsee geborgen. Diese versehentlich über Bord gegangenen oder absichtlich entsorgten Fischernetze stellen ca 30 -50 % des Plastikmülls der Meere. In die Ostsee gelangen jährlich ca. 5.000 bis 10.000 Netzteile oder Netze. Diese bedrohen u.a. Kegelrobben, Bild 1, und Schweinswale.
– Text in Anlehnung an GRD Jahresbericht 2023 S5 und 6, Delphinpost 01/2025 S.12

Robbe vor Galapagos, Foto Jürgen Blum

Getötete Kegelrobbe im Geisternetz, Foto Wolfgang Frank Veröffentlichung GRD

Die Pachamama Stiftung stiftete 5.000,- € im Jahr 2025 sowie weitere 5.000,- € in 2026 für die Bergung der Netze in der Ostsee.

Bericht der GRD

Die erste erfolgreiche Geisternetzbergung dieses Jahres fand im Mai statt, wir haben gut 500 Kg an Netzen aus der Ostsee bergen können.

Mehr als vier Stunden dauert die Fahrt bis zum ersten Einsatzort nahe der Kadetrinne westlich der Nordspitze Hiddensees. Dort liegen in 17 Metern Tiefe zwei alte Schlepperwracks, an denen sich immer wieder Fischereialtlasten verfangen. Bereits vor neun Monaten waren wir hier im Einsatz. Damals machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Doch an dem Freitag im Mai zeigte sich die Ostsee von ihrer besten Seite: spiegelglatt, kaum Wind – perfekte Bedingungen für eine Bergung.

Während der Kutter noch unterwegs war, erreicht ein Teil der Tauchcrew gemeinsam mit unserem Kooperationspartner und Geisternetzexperten Wolfgang Frank mit dem schnellen Aluboot das Wrack. Die erste Sondierung zeigt Erfolg: Zwei Kisten werden bereits vor dem Eintreffen des Kutters mit Netzresten gefüllt. Dann beginnt die zweite Schicht. Die Teams wechseln zwischen Aluboot und Kutter, Einsatzpläne werden abgestimmt, Erfahrungen ausgetauscht. Denn bei einer Geisternetzbergung zählt jede Information – und jeder Handgriff muss sitzen.

Die zweite Tauchcrew schafft es innerhalb kurzer Zeit, weitere zwei Kisten mit Netzresten zu bergen. Am Ende des ersten Tages sind rund 200 Kilogramm Geisternetze aus dem Meer entfernt worden. Das sind 200 Kilogramm tödliche Fallen weniger! Doch damit ist der Einsatz noch nicht beendet. Nachdem der erste Bergungsort vollständig von Netzen befreit wurde, ging es am Samstag weiter zur Ostseite Rügens. Dort liegt in 27 Metern Tiefe ein bislang namenloses Holzsegelschiff und es ist nahezu vollständig von einem Geisternetz bedeckt. Die Bedingungen sind deutlich schwieriger als am Vortag: keine Strömung, dadurch schlechte Sicht und nur sehr kurze Tauchzeiten aufgrund der Tiefe. Jeder Arbeitsschritt muss perfekt abgestimmt sein, jede Minute unter Wasser zählt und alle Tauchenden können nur ein einziges Mal abtauchen.

Bereits bei der Sondierung bringt die erste Crew vier Hebesäcke am Netz an und schnell wird klar, dass das nicht ausreichen wird. „Nehmt alles mit, was wir haben!“, heißt es bei der Lagebesprechung. Die zweite Crew ergänzt weitere sechs Hebesäcke und trotzdem hebt sich nur ein Teil des Netzes vom Wrack. Luft und Zeit werden knapp. Schließlich befinden sich nur noch zwei Taucher am Wrack: Herr R. dokumentiert den Einsatz und sichert ab, während Herr D., unser erfahrener Workshopleiter, in den letzten Sekunden seiner verbleibenden Luftreserve noch Verbindungen kappt. Als das Netz endlich in einem Nebel aus Schlamm an die Oberfläche steigt und alle unbeschadet wieder auftauchen sind wir nur eines: Einfach glücklich, dass weitere 300 Kg Geisternetze geborgen werden konnten.

Sowohl der Kutter für den Einsatz an diesen beiden Bergungstagen (2.000,- € pro Tag) als auch die Flaschenfüllungen für die Tauchenden und die Verpflegung derer konnte mit Ihrer großzügigen Spende bezahlt werden. Insofern hat die Familie Blum es ermöglicht, dass die Ostsee von weiteren 500 Kg gefährlicher Altlasten der Fischerei befreit werden konnte, wofür wir sehr dankbar sind.

Geisternetzbergungen bleiben gefährliche Einsätze. Doch sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Meere und ihrer Bewohner. Denn für viele Tiere kommt jede Hilfe zu spät – wie für den Dorsch, den wir tot im Netz bei der zweiten Bergung fanden.

Geisternetz, Veröffentlichung GRD

Getöteter Dorsch in Geisternetz, Veröffentlichung GRD